Montag, 22. August 2011

Sisi - ein biografisches Portrait

 
Ich habe nun das Buch von der Historikerin Katrin Unterreiner, von dem ich hier schon berichtet habe, innerhalb von 24 Stunden gelesen. Durch die berühmten Sissi-Filme mit Romy Schneider wurde die wahre Sisi ja erst so richtig berühmt. Romy hat die Rolle so unglaublich liebevoll gespielt, dass man Sisi natürlich total verehrte - MICH eingeschlossen! Als ich dann so als Teenager nach und nach herausbekam, wie die wahre Sisi war, war ich geschockt und total entsetzt. Aber genau das hat auch mehr und mehr mein Interesse geweckt. Wer war diese Frau wirklich? Und genau darum dreht sich dieses Buch. Laut der Kritiken hat die Autorin anscheinend einiges essenzielles weggelassen. Aber einige Belege konnte sie schon liefern. U.a. diese fand ich besonders interessant:

Erherzogin Sophie schrieb:
" Und mit innigem Wohlgefallen sah ich zu, wie Sisi ihre Haare selbst ordnete, mit einer Anmut und Grazie in allen ihren Bewegungen, die das Kammermädchen und auch mich entzückte. Desto mehr, dass sie sich so gar nicht bewusst war, einen so angenehmen Eindruck hervorgebracht zu haben. Trotz der Trauer, die Luise ( Ludovica ) und ihre Töchter wegen des Besuches bei Therese hatten tragen müssen, war Sisi reizend in ihrem ganz einfachen, hohen, schwarzen Kleid, so dass ich Luise beredete, mit ihren Töchtern den Thee bei mir zu nehmen...... Mein Carl, der ein guter Beobachter ist, sagte mir, dass in dem Augenblick, als der Kaiser Sisi erblickte, ein Ausdruck so großer Befriedigung in seinem Gesicht erschien, dass man nicht mehr zweifeln konnte, auf wen seine Wahl fallen würde. Er strahlte, und du weißt wie sein Gesicht strahlt, wenn er sich freut. Die liebe Kleine ahnte nichts von dem tiefen Eindruck, den sie auf Franzi gemacht hatte. Bis zu dem Augenblick, da ihre Mutter ihr davon sprach, war sie nur von Scheu und Schüchternheit erfüllt, die ihr die so vielen sie umringenden Menschen einflößten... und sie war so hübsch und anmuthig dabei!"

Zur Verlobung schrieb sie an ihre Freundin:
" seit heute früh 8 Uhr ist unser heiß geliebter Franzi der unaussprechl. strahlend, glückliche Bräutigam der lieblichen Sisi... die Haltung der Kleinen ist so anmutsvoll, so bescheiden, so untadelig, so graziös, ja beinahe demutsvoll, wenn sie mit dem Kaiser tanzt... sie erschien mir so anziehend, so kindlich bescheiden und doch ihm gegenüber ganz unbefangen "

Sophie hatte eigentlich folgendes geplant:
" um dem jungen Paar nicht auf dem Nacken zu sitzen, fürderhin in Ischl bis Ende Oktober zu bleiben u. dann gerade nach Wien zu ziehen. Auch während dem ersten Teil des Sommers gedenken wir, nach Laxenburg zu ziehen, wenn Franzi u. Sisi in Schönbr. sind, u. umgekehrt in Schönbr. zu seyn, wenn sie in Laxenburg sind... Franzi schien die Idee... die Flitterwochen in Laxenburg zuzubringen... und zwar allein mit Sisi, sehr anzulächeln. Ich muss wirkl. mit Festigkeit und ganz allein den Grundsatz, dem jungen Paar nicht auf dem Nacken zu sitzen, durchführen, denn Franzi meint immer, wir könnten noch überall, wie bisher, stets vereinigt bleiben, was mich tief rührt, aber nicht ausführbar ist "

Das hat sie dann aber doch nicht gemacht

" hier hab ich viel geweint Marie - allein zurückzudenken, drückt mir das Herz zusammen - hier war ich nach meiner Hochzeit, Sie werden mir nicht glauben was für ein Leben ich hier lebte, ich fühlte mich so einsam - er konnte nicht hier sein - jeden Tag frühmorgens fuhr er nach Wien, um 6 Uhr kehrte er zum Essen zurück, ich war den ganzen Tag alleine und hatte Angst vor der Minute wenn Sophie kam, denn sie kam jeden Tag, zu jeder Stunde um zu sehen was ich tue - bis a`la merci war ich dieser wirklich bösartigen Frau ausgeliefert, alles war falsch was ich machte, die ich liebte wurden schlecht gemacht, sie wusste alles über jeden, da sie alle bespitzelte und das ganze Haus hatte Angst vor ihr aber alle spionierten für sie und berichteten ihr alles. Und es war noch das Geringste, dass sie mit mir - aber auch mit dem Kaiser - schimpfte wie mit einem Schulkind. Einmal bat ich ihn mich nach Wien mitzunehmen, blieb den ganzen Tag und sah sie nicht. Es tat so gut nicht allein zu sein an diesem traurigen Ort, aber kaum waren wir abends zu Hause angekommen, kam sie sofort zu uns gelaufen, verbot es ihm und schimpfte mit mir, da es sich für eine Kaiserin nicht gehöre ihrem Mann nachzulaufen und hin und her zu kutschieren wie ein Fähndrich. Damit war auch das beendet. Ich war alleine, was noch gut war, aber wenn sie kam, mich zu quälen... und so oft ohne Kaiser zu sein, der zwar auch gelitten hat aber Angst hatte seiner Mutter zu widersprechen; es war immer jemand um uns - ich habe es lange ausgehalten da ich so jung war, später habe ich mir dann selbst geholfen, aber das erzähle ich Dir später"

Die Gedichte über den Wiener Hof fand ich auch sehr lustig. Leider kommt mir das nur alles so sehr bekannt vor....

Einen eindeutigen Beleg, wer die Erziehung der beiden ersten Kinder übernahm, habe ich in dem Buch nicht gefunden. Anscheinend sind Sisi und Franz von den Räumen her umgezogen...
" Nach reiflicher Überlegung und nachdem ich die Sache nochmals mit Sisi besprochen, bin ich der festen Überzeugung, daß es am besten ist, wenn die Kinder in die Radetzky-Zimmer kommen... Sie haben, liebe Mama, einen Grund, der uns diesen Wechsel wünschen macht, gleich erraten. Ich bitte Sie jedoch inständig, Sisi nachsichtig zu beurteilen, wenn sie vielleicht eine zu eifersüchtige Mutter ist, - sie ist ja doch so eine hingebende Gattin und Mutter! Wenn Sie die Gnade haben, die Sache ruhig zu überlegen, so werden Sie vielleicht unser peinliches Gefühl begreifen, unsere Kinder ganz in Ihrer Wohnung eingeschlossen und fast gemeinschaftlicher Vorzimmer zu sehen, während die arme Sisi die Stiege hinaufkeuchen mußte, um dann selten die Kinder allein zu finden, ja auch Fremde bei denselben zu sehen, denen Sie die Gnade hatten, die Kinder zu zeigen, was besonders mir auch noch die wenigen Augenblicke verkürzt, die ich Zeit hatte, bei den Kindern zuzubringen "

Auch was die Autorin über das restliche Leben geschrieben hat, brachte einen weiteren tieferen Einblick.



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